Stadtbahnliniennetzreform in Köln

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Von Christoph Groneck

Niederflurnetz wird ausgeweitet – Hochflurbetrieb bleibt daneben weiterhin erhalten

Wie erwartet hat der Kölner Stadtrat Ende 2001 entschieden, analog der Empfehlungen des Gutachtens vom Ingenieurbüro Spiekermann das Niederflurnetz auf die Ringstrecke sowie die Bereiche linksrheinische Nordstadt und Zollstock auszuweiten, von einer kompletten Netzumstellung aber abzusehen.

Damit wird das verbleibende Hochflurnetz (Linie 3 bis 5, das Linienbündel Thielenbruch/Niehl Sebastianstraße – Ebertplatz – Neumarkt – Barbarossaplatz – Bonn über Brühl und Wesseling, Gürtelbahn Linie 13 sowie in Zukunft die Nord-Süd-Strecke) nun doch langfristig weiter Bestand haben. Es soll bis spätestens Ende des Jahrzehnts flächendeckend mit hohen Bahnsteigen ausgestattet sein. Damit können gegenüber einer reinen Niederflurlösung mindestens 25 Jahre eher im gesamten Netz stufenlose Einstiegsverhältnisse verwirklicht werden. Weitere Argumente für die Entscheidung lieferten der sehr viel geringere Investitionsbedarf – lediglich zwei bestehende Hochbahnsteige (Chorweiler und Hansaring) müssen wieder entfernt werden – sowie die Verbesserung der Betriebsabläufe am Ebertplatz und Barbarossaplatz.

Das Liniennetz wird damit wie im letzten nb erläutert umgestellt: Die Linien 15 und 18 tauschen ihre nördlichen Streckenäste, die Linien 12 und 19 ihre innerstädtischen Führungen. Damit können dann die Linien 6, 12 und 15 auf dem Korridor Chorweiler/Merkenich – Ringe – Ubierring/Zollstock niederflurig verkehren.

Nach der Eröffnung der Nord-Süd-Stadtbahn in vermutlich rund zehn Jahren sollen die Linien 5 ab Dom/Hbf und 16 ab Breslauer Platz wie bisher geplant in den neuen Tunnel geleitet werden und dann über Heumarkt und Chlodwigplatz zum Verteilerkreis bzw. über die Rheinuferbahn nach Bonn weiterfahren Daneben ist dann auch die Einführung einer neuen (Hochflur-)Linie 17 geplant, welche vom Reichensperger Platz kommend ebenfalls bis zum Verteilerkreis fahren soll und somit die Linien 5 und 16 überlagert bzw. den wegfallenden Stummel der 5 vom Hauptbahnhof bis zum Reichensperger Platz übernimmt.

Begleitende Maßnahmen

Der Ratsbeschluss enthält neben der Entscheidung zur Neuordnung des Liniennetzes einige weitere damit im Zusammenhang stehende Punkte, durch welche der Wegfall von Direktverbindungen aufgrund der Linienentflechtung am Ebertplatz und Barbarossaplatz gemildert bzw. kompensiert werden soll:

  • Der U-Bahnhof Ebertplatz ist so umzubauen, dass ein stufenloser Umstieg zwischen Hochflur- und Niederflurlinien möglich wird. Dies bedeutet, dass an den beiden bestehenden Mittelbahnsteigen zumindest jeweils ein Gleis in der Höhenlage verändert werden muss. Die Differenz der Einstiegshöhen zwischen Hoch- und Niederflur beträgt 55 cm, diese kann durch ein Quergefälle auf dem Bahnsteig selbst nicht ausgeglichen werden.

Eventuell wird im Zuge des anstehenden Umbaues von einer 30 Jahre alten konstruktiven Vorleistung Gebrauch gemacht: Möglich wäre am Ebertplatz aufgrund der bevorstehenden Ausmusterung der letzten Einrichtungswagen eine Aufgabe der biden Außenbahnsteige und eine Verschiebung der äußeren Gleise auf den dadurch gewonnen Platz. Somit könnten dann die beiden recht schmalen Mittelbahnsteige verbreitert werden.

  • Am Barbarossaplatz soll geprüft werden, ob es möglich ist, die Umsteiger zwischen Ringstrecke und Neumarkt-Tunnel ohne Querung des Straßenverkehrs zu führen. Dies würde eine Umleitung des Straßenverkehrs auf den Ringen in Nordrichtung erforderlich machen. Angedacht wurde dafür bereits eine östliche Umfahrung des Barbarossaplatzes für den Straßenverkehr im Zuge bestehender Abbiege- und Kehrspuren auf der Neuen Weyerstraße.

Eine immer wieder geforderte Tieferlegung der Stadtbahn am Barbarossaplatz zumindest der Relation Poststraße Richtung Luxemburger Straße bis zum Südbahnhof bzw. Eifelwall ist dagegen mittelfristig nicht absehbar.

  • Der in der Vergangenheit bereits angedachte Linientausch der Stadtbahnlinien 4 und 5 (nb berichtete) – Linie 4 von Schlebusch neu nach Ossendorf, Linie 5 vom Reichensperger Platz bzw. später aus der Nord-Süd-Bahn kommend neu nach Bocklemünd – ist gutachterlich zu untersuchen. Bocklemünd, Bickendorf und Ehrenfeld würden dadurch eine Direktverbindung zum Hauptbahnhof erhalten.
  • Für die Haltestellen Lenauplatz, Takuplatz und Liebigstraße im Zuge der Linie 5 in Neu-Ehrenfeld ist zwecks Realisierung von Hochbahnsteigen ein begrenzter Wettbewerb bezüglich der städtebaulichen Gestaltung der Bauwerke durchzuführen.
  • Auf der S-Bahn-Linie S11 soll zwischen Köln und Worringen der 10-Minuten-Takt eingeführt werden. Die Stadt Köln hat die dafür notwendigen Verhandlungen mit dem Aufgabenträger (VRS) und dem Land als eventuellem Kostenträger aufzunehmen. Diese Taktverdichtung ist als Kompensationsmaßnahme für den Kölner Norden angedacht, der seine Direktverbindung zum Hauptbahnhof verlieren wird.
  • Die Busnetze in Zollstock und im Kölner Norden (Stadtbezirke Nippes und Chorweiler) sind zu optimieren.
  • Die mögliche Verlängerung der Stadtbahnlinie 19 von der Sebastianstraße bis Niehl (Linie 12) ist einer Kosten-Nutzen-Analyse zu unterziehen. Durch eine solche Strecke könnte der Abschnitt Niehl – Merkenich weiterhin an den Hauptbahnhof angebunden werden, was bisher vom Betriebsrat der angrenzenden Fordwerke als Voraussetzung einer Abnahme von Job-Tickets gesehen wird.
  • Zukünftig zu bauende Hochbahnsteige sind rückbaubar zu gestalten, damit die Zukunftsoption eines reinen Niederflurnetzes offengehalten werden kann.

Bahnsteiganpassungen

Weitere Bemühungen, zu Redaktionsschluss jedoch noch nicht abschließend beschlossen, gehen in die Richtung, die nun langfristig niederflurig verbleibenden Untergrundstationen im Zuge der Ringe und in Nippes umzugestalten. Hier reichen die Rolltreppen bisher auf bereits vorgeleistete Podeste, von denen aus dann drei Stufen zum Bahnsteig hinab gegangen werden muss. Angestrebt wird der Bau von Rampen zwischen Bahnsteig und Podesten im Zuge der ebenfalls anstehenden Nachrüstung aller Tunnelstationen mit Aufzügen. Dort, wo die Rolltreppen am Bahnsteigende ansetzen (z.B. Station Florastraße), wird langfristig auch mit dem Einbau längerer Rolltreppen geliebäugelt.

Auf der anderen Seite kann nun aber auch der vorliegende Ratsbeschluss zur Anhebung der Bahnsteige am Neumarkt, am Appellhofplatz und an der Poststraße zügig angegangen werden – sollte die Linie 12 noch dieses Jahr für einen Übergangszeitraum bis zur Umleitung über die Ringe auf Hochflurstadtbahnwagen umgestellt werden können (siehe Kurzmeldungen).

Für die Station Dom/Hbf streben Teile der Politik ebenfalls eine zeitnahe Umsetzung der Bahnsteiganhebungen an. Bisher sollte diese Station erst mit dem fortschreitenden Bau der Nord-Süd-Bahn Ende des Jahrzehnts erneuert werden. Allerdings steht am Dom recht zeitnah der Einbau von Aufzügen – von den Bahnsteigen in das Zwischengeschoss und vom Zwischengeschoss auf die Domplatte (ein Aufzug vom Zwischengeschoss in die Bahnhofsvorhalle besteht bereits) – auf dem Programm. Eine Abwicklung dieses Projektes gleichzeitig mit der Bahnsteigerhebung erscheint durchaus als sinnvoll, entfallen doch dadurch provisorische Aufzugsgestaltungen und eine zweimalige Baustelleneinrichtung. Vorraussetzung wäre aber in jedem Falle, dass neben der Linie 12 auch die 5 zeitnah mit neuen Fahrzeugen gestattet werden kann.

Umsetzungszeitpunkt 2004?

Die Umsetzung der Planungen zur Liniennetzneuordnung wird voraussichtlich recht zeitnah durchgeführt. Nachdem inzwischen ein Teil des zweiten Bauloses der bei Bombardier Transportation bestellten Hochflurwagen K5000 auf Niederflurwagen umbestellt wurden, soll das für den Betrieb der neuen niederflurigen Linien notwendige Fahrzeugmaterial zwischen 2004 und 2006 ausgeliefert werden. Es wird sich bei dem neuen Niederflurwagen nicht um eine Nachlieferung der im Betrieb stehenden K4000er, sondern um ein aus dem K5000 abgeleitetes Fahrzeug handeln – wobei der K5000 wiederum in vielerlei Hinsicht mit dem K4000 verwandt ist.

Als Zeitpunkt für die Netzumstellung wird momentan das Jahr 2004 angegeben. Somit müssen die erwähnten Hochbahnsteige Hansaring und Chorweiler bis dahin abgerissen bzw. aufgeschottert sein, damit die neuen Fahrzeuge auch eingesetzt werden können. Für einen Übergangszeitraum werden allerdings bis zur Auslieferung aller Niederflurwagen auf den neuen Niederflurlinien teilweise auch noch Hochflurfahrzeuge eingesetzt.

Voraussichtlich kann die Neuordnung des Liniennetzes somit in Anschluss an die in der Tagespresse ausgiebig diskutierte neunmonatige Sperrung des zentralen Tunnels zwischen Breslauer Platz und Dom/Hbf abgewickelt werden. Während dieser Sperrung, welche aufgrund der aufwändigen Umbauarbeiten am bestehenden Tunnel zwecks Herstellung eines neuen Abzweiges für die Nord-Süd-Bahn beschlossen wurde, müssen sowieso mit Ausnahme der 12 (diese wird geteilt und endet kurz vor bzw. hinter der Baustelle) alle Nord-Süd-Linien über die Ringe umgeleitet werden.

Christoph Groneck


Der Artikel ist erschienen in Heft 1/02 (Nr. 65) der Zeitschrift "NACHRICHTENBLATT - Informationen zur Verkehrspolitik im Rheinland"
(Herausgebergemeinschaft: AK Schienenverkehr im Rheinland, Köln/Bonn/Koblenz, PRO BAHN Rhein-Sieg e.V. und Strassen- und U-Bahn-Freunde Köln e.V.). Bezugsadresse der 4x jährlich zum Jahres-Abopreis von Euro 9,80 im 18. Jahrgang 2002 erscheinenden Zeitschrift: Frank Haase, Friedl-Ferdinand-Runge-Str. 88, 51373 Leverkusen, Fax 0214/8404687, eMail Frank.Haase@telelev.net



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