Private auf dem Vormarsch

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Von Hans-Peter Kuhl

Die DB AG steht für viele noch als Synonym für die Bahn schlechthin. Wer jedoch nicht nur oberflächlich schaut, wird schnell feststellen, dass die Landschaft in ganz Deutschland wird im Bezug auf Bahngesellschaften zunehmend "bunter". Dabei geht es nicht nur um Fahrbetrieb, sondern auch um Streckenunterhalt und Eigentum an Strecken an sich.

Im Verbreitungsgebiet des nb sind private Bahngesellschaften nichts neues. Die Stadtwerke Köln und Bonn setzen schon seit Jahrzehnten eigene Bahnen ein, als mittlerweile bundesweit agierendes Unternehmen im Schienengüterverkehr ist die HGK mit ihren Loks und Zügen bekannt geworden. Abseits der Magistralen und des unmittelbaren Ballungsraums Köln/Bonn sind jedoch auch viele Veränderungen in den letzten Jahren erfolgt, die hier einmal zusammengefasst werden sollen.

Dürener Kreisbahn

Die Dürener Kreisbahn (DKB) betreibt den Schienenverkehr von Düren aus Richtung Jülich und Heimbach. Die Strecken wurde von der Deutschen Bundesbahn gekauft, Unterhaltung, SPNV und Schienengüterverkehr werden in alleiniger Verantwortung der DKB erbracht. Eingesetzt werden Triebwagen vom Typ RegioSprinter.

Vennbahn

Die Vennbahn ist aus einem Touristikverkehr durchführenden Verein entstanden. Die Bahnstrecke von Eupen bis Bütgenbach wurde von der Vennbahn gekauft, touristischer Verkehr bis zur – hoffentlich nur vorübergehenden Sperrung der Strecke – von Eupen bis Büllingen (Verbindung Jünkerath – Trois Vieges) erbracht. Geplant ist, nach Sanierung der Strecke einen regelmäßigen SPNV einzurichten.

Euregiobahn

Die Euregiobahn betreibt seit dem 10.06.2001 als Teil des "Aachener Netzes" die Strecke Stolberg Hbf – Stolberg Altstadt. Über den Hbf hinaus wird bis Heerlen (NL) gefahren. Die Reaktivierung der Strecke Stolberg Hbf – Weisweiler mit Verlängerung/Neubau bis Düren ist in Arbeit bzw. in Planung. Zusätzlich wurde bereits erfolgreich ein Probebetrieb über Altstadt hinaus bis Breinig gefahren, die Reaktivierung mit Anschluss in Raeren an die Vennbahn wird ernsthaft untersucht.

Transregio

Die Transregio GmbH ist aus einem Zusammenschluss der Düsseldorfer "Rheinbahn" und der altbekannten "Moselbahn AG" hervorgegangen, welche bis in die sechziger Jahre hinein das "Saufbähnchen" von Bullay nach Trier Nord betrieben hat. Seit dem 28.5.2000 hat die Transregio den SPNV zwischen Andernach und Mayen West übernommen, seit dem 6.8.2000 auch auf dem reaktivierten Streckenabschnitt Mayen West – Kaisersesch. Zusätzlich fährt sie seit dem Fahrplanwechsel im Juni 2001 über Gleise der DB auf der Verbindung Bullay – Traben-Trabach mit einzelnen Leistungen bis/ab Cochem bzw. Koblenz Hbf.

EBM

Die Eisenbahngesellschaft im Bergisch-Märkischen Raum (EBM) mit Sitz in Gummersbach ist seit April 2000 in der Eifel mit regelmäßigerem Verkehr aktiv. Schon seit einigen Jahren werden Sonderzüge für Bahnfans gefahren, bevor mit der Aufnahme von Güterzugleistungen im Holzverkehr zwischen Edenkoben/Pfalz bzw. Perl/Saar und Losheim bei Jünkerath ein echter SGV durchgeführt wurde. Im Herbst desselben Jahres kamen Güterzugfahrten von Euskirchen über Gerolstein nach Kaisersesch hinzu. Beide Verkehre sind derzeit aber aus unterschiedlichen Gründen wieder eingestellt.

Seit dem 2. Januar 2002 werden die Güterzugleistungen auf der gesamten Eifelstrecke mit Ausnahme der Hinfahrt des "Müllzuges" zur Deponie Mechernich von der EBM gefahren, bis Gerolstein im Auftrag von DB Cargo. Hierzu gehören auch die Bedienungen der Bahnhöfe Meckenheim und Zülpich. Es werden firmeneigene Dieselloks (202, 203, 220, Dampfloks) eingesetzt.

Auf eigenes Risiko erfolgt die Bedienung des Bahnhofs Bitburg. Im Auftrag der Stadt Bitburg wird die Infrastruktur der Zweigstrecke ab Erdorf betreut. Die Strecke wurde in 2001 von der Stadt erworben, einerseits, um den Güterverkehr zu sichern, aber auch um die Schienen an die Straßen im Stadtgebiet besser an-/abbinden zu können. Die EBM hat zudem die Strecke Gerolstein – Kaisersesch (jeweils ausschließlich) von DB Netz AG auf 10 Jahre angepachtet und unterhält in Kaisersesch das ca. 2 km lange städtische Industriestammgleis. Auch die Strecke Jünkerath – Losheim Grenze ist angepachtet.

Rhein-Sieg-Eisenbahn

Die RSE, vielen gut bekannt von der firmeneigenen Strecke Beuel – Pützchen, ist wie die EBM seit dem Jahreswechsel linksrheinisch im Güterverkehr aktiv (siehe auch Streckenmeldungen).

Hochwaldbahn

Unter dem Namen "DEULUX-BAHN" (Deutsch-luxemburgische Bahn) hat die Hochwaldbahn (HWB) erstmals im Mai 2001 einzelne, im DB-Kursbuch veröffentlichte, Ausflugsfahrten angeboten. Diese verkehrten mit eigenen VT 796/798 von Igel über Trier-West und Bitburg-Erdorf nach Bitburg.

Stadtwerke Koblenz

Die Stadtwerke Koblenz betreiben eine Anschlussbahn, die im Nordkopf des Güterbahnhofs Koblenz-Lützel von den DB-Gleisen abzweigt. Mehrere Betriebe werden über ein verzweigtes Netz in Koblenz-Wallersheim bedient, die Haupttransporte laufen von und zum Hafen. Es wird eine eigene Diesellok eingesetzt, welcher am Übergabebahnhof gewartet wird.

Vulkaneifelbahn

Die Vulkaneifelbahn (VEB) ist ein Ableger der EBM und verantwortlich für den SPV auf der Eifelquerbahn. Der Sitz des Tochterunternehmens ist Gerolstein, von hier aus erfolgt die Personaldisposition für die Ausflugszüge, wobei sowohl Personal der EBM als auch des "Eifelbahn e.V." – für den Zugbegleitdienst – zum Einsatz kommt.

Brohltal-Schmalspureisenbahn-Betriebs-GmbH

1901 wurde diese älteste noch bestehende Privatbahn dieser Auflistung eröffnet. Seit 1977 werden neben Güterzügen auch unter dem Namen "Vulkan-Express" Touristikfahrten angeboten. In mehreren Schritten hat sich die Brohltalbahn zu der o.g. GmbH entwickelt. Derzeit wird die Strecke in einem dichten Ausflugsverkehr teilweise mit Dampfloks regelmäßig befahren. Der Güterverkehr, welcher nach der Sperrung der Verladeanlagen im Hafen Brohl zeitweise zum Erliegen gekommen ist, wird mittlerweile wieder mit neuen Containerwagen gefahren.

hpk


Der Artikel ist erschienen in Heft 1/02 (Nr. 65) der Zeitschrift "NACHRICHTENBLATT - Informationen zur Verkehrspolitik im Rheinland"
(Herausgebergemeinschaft: AK Schienenverkehr im Rheinland, Köln/Bonn/Koblenz, PRO BAHN Rhein-Sieg e.V. und Strassen- und U-Bahn-Freunde Köln e.V.). Bezugsadresse der 4x jährlich zum Jahres-Abopreis von Euro 9,80 im 18. Jahrgang 2002 erscheinenden Zeitschrift: Frank Haase, Friedl-Ferdinand-Runge-Str. 88, 51373 Leverkusen, Fax 0214/8404687, eMail Frank.Haase@telelev.net



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